Prisma http://prisma.blogsport.de interventionistische Linke Leipzig Thu, 06 Dec 2018 10:04:01 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Othering im Demoformat – Wie die Leipziger Initiative gegen Islamismus in dieselbe Kerbe schlägt wie schon Thomas von Aquin (1225-1274) http://prisma.blogsport.de/2018/11/27/othering-im-demoformat-wie-die-leipziger-initiative-gegen-islamismus-in-dieselbe-kerbe-schlaegt-wie-schon-thomas-von-aquin-1225-1274/ http://prisma.blogsport.de/2018/11/27/othering-im-demoformat-wie-die-leipziger-initiative-gegen-islamismus-in-dieselbe-kerbe-schlaegt-wie-schon-thomas-von-aquin-1225-1274/#comments Tue, 27 Nov 2018 10:18:45 +0000 Administrator Allgemein Positionen http://prisma.blogsport.de/2018/11/27/othering-im-demoformat-wie-die-leipziger-initiative-gegen-islamismus-in-dieselbe-kerbe-schlaegt-wie-schon-thomas-von-aquin-1225-1274/

Die Leipziger Initiative gegen Islamismus plant eine Kundgebung vor der Al-Rahman Moschee im Leipziger Norden. Halten wir es aus einer linken Perspektive für eine gute Idee in Sachsen öffentlich gegen eine Moschee zu mobilisieren? Definitiv nicht. Es ist mindestens politisch blauäugig, eher aber gefährlich. Wer sich in einem so komplexen Spannungsverhältniss aus Religionskritik, Rassismus und Patriachat so positionieren möchte, verkürzt bewusst die Komplexität der Verhältnisse. Warum genau? Da haben einige unser Genoss*innen mal ein paar Worte zu aufgeschrieben:

Die Leipziger Initiative gegen Islamismus ruft zu einer Kundgebung vor der Al-Rahman Moschee in Leipzig auf, die vom Verfassungsschutz als ein Zentrum salafistischen Gedankenguts eingestuft wird. Warum sich die Initiative damit in eine lange Tradition von Othering einreiht.

13. Jahrhundert: Thomas von Aquin stellt eine 4-Punkte-Theorie zum Islam auf: Der Islam entstelle die Wahrheit, der Islam sei eine Religion der Gewalt, des Krieges und der sexuellen Ausschweifung, Muhammad sei ein falscher Prophet.[1] Diese Theorie erarbeitete sich der römisch-katholische Kirchentheoretiker im Kontext des Vordringens sich zum Islam bekennender Erober_innen bis nach Andalusien und auf den Balkan, des Kampfes um die Vorherrschaft über die heilige Stadt Jerusalem und der Initiierung der Kreuzzüge. Eine Zeit der militärischen und ideologischen Konflikte, eine Zeit, in der der vor- und beherrschenden Religion in Europa[2], dem Christentum, Konkurrenz gemacht wurde durch eine militärisch und zahlenmäßig mächtige Gegnerin.
Wie geläufig ist, brauchen Kriegshandlungen neben der technischen und humankapitalen Ausrüstung vor allem die Bereitschaft in den Krieg zu ziehen, also eine ideologische Unterfütterung. Was brauchte die Christenheit und damit Thomas von Aquin? Sie brauchte ihr Anderes, von dem sie sich moralisch und ideologisch als überlegen abgrenzen konnte.

19. Jahrhundert: Es läuft gut für (West-)Europa. Reconquista und Inquisition taten das ihre für so etwas wie die „Monokonfessionalisierung des Abendlandes“ und auf dem Balkan wurde das Osmanische Reich zurückgedrängt. Zudem ist die industrielle Revolution in vollem Gange und beschert Europa die (waffen-)technische Überlegenheit, die es zur Unterwerfung der Welt braucht: die Festigung kolonialer Verwaltungsgebiete bringen Europa neben der Ausbeutung materieller, finanzieller und humaner Ressourcen endlich die erfolgreiche Verbreitung der eigenen Vorstellungen. Mit im Gepäck: die europäische Überlegenheit aufklärerischer Werte, die sich bestens eignen, um sich gegen „die Barbaren“ abzugrenzen, die sie (noch) nicht verstanden haben.

00er Jahre: Die US-Armee marschiert unter George W. Bush in den Irak ein. Demokratische Werte werden verbreitet.

Othering – was ist da denn los?

Diese kleine, überschaubare, verkürzte (denn natürlich gab es vor allem im 13. Jahrhundert auch friedlichen Kontakt und Austausch) Zusammenstellung europäischer Denktradition bringt uns dahin, was Edward Said 1978 mit Othering in seiner Orientalismus-Kritik in einen wissenschaftlichen Begriff überführte. Damit begründete er die Postkoloniale Theorie mit, die vor allem seit den 1990ern (also seit gut 20 Jahren) in Universitäten, dem Entwicklungsapparat und (weiteren) politischen Diskursen Wellen schlägt. Othering ist ein Terminus, der einen Denkprozess kennzeichnet. Das Othering ist Grundlage des kolonialen Blicks. Um seinen Kolonialismus moralisch sowie die Kosten für die Verwaltungsstrukturen vorm eigenen Volk zu rechtfertigen, brauchten die Kolonialmächte ein „barbarisches, wildes, unterentwickeltes“ Gegenüber, dem das überlegene Wir die „Zivilisation“ bringen konnte. Das Eigene braucht ein Anderes, um sich selbst positiv davon abzuheben, die eigene Moral und die eigenen Werte zu stärken, sich des eigenen Fortschritts zu versichern und um das Andere, das sich zudem unverständlich und unzugänglich darstellt, zu verstehen, zu ordnen, zu kategorisieren, zu repräsentieren und sich unterzuordnen. Teil davon natürlich der Islam, der aus europäischer Sicht in erster Linie seine Frauen unterdrückt, die vom weißen Kolonialherren vor den eigenen Männern gerettet werden müssen. Daher rührt u.a. die Debatte um das Kopftuch, das für koloniale Zwecke instrumentalisiert wurde. Folge waren öffentliche (Zwangs-)Entschleierungen, die den Musliminnen die Befreiung bringen sollten, während in England zeitgleich die Sufragettenbewegung blutig niedergeschlagen wurde.[3]

Was wollen wir mit diesem kurzen Abriss aussagen? Der beschriebene Mechanismus des Othering besteht bis heute fort. Dafür muss mensch sich nicht erst die rassistischen medialen Reaktionen auf die schlimmen Ereignisse in der Silvesternacht in Köln vor Augen führen. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert wurde er in europäische Köpfe gehämmert, um die eigene Überlegenheit zu sichern. Für heutige Diskurse können wir daraus lernen, dass Debatten um das Kopftuch hochgradig politisiert sind, dass Debatten um Islamismus hochgradig politisiert sind, und einer besonderen Aufmerksamkeit und Sensibilität bedürfen. Tut das eine Kundgebung vor einer salafistischen Moschee? Tut das ein Aufruf, der sich hauptsächlich der Quellen Verfassungsschutzbericht, Focus und Tag24 bedient? Es geht hier nicht darum zu diskutieren, ob ein Imam Hassan Dabbagh Lehren verbreitet, die hochgradig brisant und gefährlich sind. Aber es geht darum zu diskutieren, ob eine angemessene Reaktion darauf eine Kundgebung ist, die den Charakter hat, mit dem Zeigefinger auf die Moschee und die Muslim_innen zu zeigen, die diese besuchen.

Der Aufruf
In mehr als 12 000 Zeichen setzt sich der Aufruf mit der Gefährlichkeit von Islamismus auseinander und wie diese durch die Al Rahman Moschee geschürt wird. Dabei baut er das Schreckensszenario auf, die Moschee habe laut Verfassungsschutzbericht immer breiteren Zulauf, unterschlägt jedoch, dass der Bericht selbst die Vermutung äußert, dass viele Besucher_innen diese Moschee frequentieren, weil es in Leipzig an Angebot mangelt.[4]
An keiner Stelle definiert der Aufruf seinen Gegenstand; was genau mit Islamismus gemeint ist, bleibt geheim. Diese Fahrlässigkeit führt im letzten Drittel dazu, dass er undifferenziert mit Islam durcheinandergeworfen wird. Die Initiative moniert einen dem Islam eigenen „Führerkult“, der aus der „grenzenlosen Idealisierung“ des Propheten Muhammad resultiere. Ja, unbestritten gilt Muhammad im islamischen Glauben als Vorbild. Da fällt uns noch so ein Kult ein. Zumeist wird er am Kreuz hängend dargestellt und es wird gemunkelt, er habe Wasser in Wein verwandelt. Hängen sich deswegen alle Christ_innen ans Kreuz? Halten deswegen alle Christ_innen auch die andere Wange hin? Kirchengeschichte hat bisher etwas anderes gelehrt. Unterfüttert wird der „Führerkult“ mit der Behauptung, die korrekte Übersetzung des Wortes Islām ins Deutsche sei „Unterwerfung“. Eine genauere Betrachtung von Wort und Wortfamilie zeigt, dass Islām die Hingabe an Gott bezeichnet, die Ergebung in den Willen Gottes. Davon kann mensch halten was er will, aber ja, es ist eine monotheistische Religion, die an die Unfehlbarkeit Gottes glaubt. Deswegen ist sein Wille besonders dazu geeignet, einen mit der Religion zu vereinbarenden Lebensstil zu führen. Was denn genau der Wille Gottes ist, ist Gegenstand Jahrhunderte langer Aushandlungsprozesse, die im 10. und 11. Jahrhundert eine eigene theologische Debattenkultur, den Kalām, hervorbrachten, die Widersprüche und ergebnisoffene Diskussionen aushält.[5] Bis heute ist sie prägend und wurde auch von Strömungen in Juden- und Christentum adaptiert. Tatsächlich gehen heute einige Theorien in die Richtung, dass solche modernen radikal islamistischen Strukturen vor allem als Reaktion auf europäischen Kolonialismus und Unterdrückung entstanden sind. Mit radikal islamistischen Strukturen meinen wir fundamentalistische Strömungen, die eine politische Ideologie islamisch-religiös begründen (islamistisch) und dabei den Koran möglichst wörtlich auszulegen suchen (radikal). Dies passiert dann häufig mit einer Einstellung, die wenig Widersprüche aushält und die Welt dichotomisch in Wahrheit/Lüge, richtig/falsch, Himmel/Hölle teilt. Dies steht also, wie wir gesehen haben, den Traditionen vieler islamischer Strömungen entgegen und weist darauf hin, dass eine monotheistische Religion mit großer Anhänger_innenschaft in alle möglichen Richtungen ausgeprägt werden kann, da sich die Struktur dafür eignet. Dass solche radikal fundamentalistischen Strömungen sehr problematisch sind und zur Gewaltanwendung instrumentalisiert werden können, muss hier nicht diskutiert werden. Doch wollen wir dazu einladen, genauer hinzusehen und sensibel Reaktionen darauf auszuarbeiten. Wenn gegen einen gewaltsam eindringenden, kolonisierenden, weißen Besatzer sich die Verständigung auf ein verbindendes Wir, das als kulturbildend und eigen stilisiert wurde, als effektiv erwiesen hat[6], ist es dann ratsam, sich diesem gegenüber Phänomen mit denselben Mechanismen zu formieren, wie es der koloniale Besatzer bereits getan hat? Nämlich die moralische Unterlegenheit zu betonen, undifferenziert zu homogenisieren und eine gesamte Religion zur Anhänger_innenschaft gewaltvoller Ausprägungen zu verurteilen?

Wie also umgehen mit einem komplizierten Problem?
Zunächst einmal fordert ein kompliziertes Problem komplexe Strategien. Eine Kundgebung mit Eventcharakter ist hierzu gänzlich ungeeignet. Ein homogenisierender, polarisierender, sprich orientalistischer Aufruf sowieso. Die Kombi aus beidem in Zeiten des deutlich spürbaren Rechtsrucks und einer gesellschaftlichen Identitätssuche, die in breiten Teilen auf Ausgrenzung basiert, ist brandgefährlich. Einen Jargon zu bedienen, den rechte Strukturen für sich vereinnahmen können, ist unserer Meinung nach mit einem linken Diskurs nicht zu vereinbaren. Auch wenn das Köpfchen raucht, das Problem ist komplexer als „den Islam/ismus“ zum Feindbild zu machen und damit ein gesellschaftliches Klima weiter anzuheizen, in dem Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte stattfinden. Wir wollen hier keine linke Lösungsstrategie im Umgang mit Strömungen präsentieren, die ein Gesellschaftsmodell verfolgen, das mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar ist. Wir wollen nur darauf hinweisen, dass ein Rückgriff auf Strategien des 13. Jahrhunderts sehr wenig zielführend ist.
Wie wäre es denn zum Beispiel mit dem Dialog mit muslimischen Communities? Wie wäre es denn mit der Stärkung gesellschaftlicher Stimmen, die freiheitliche Bestrebungen im Islam vertreten? Wie wäre es denn, sich dabei auf eine jahrhundertealte Tradition komplexer Lösungsstrategien zu berufen und damit dem Anderen Interesse und Wertschätzung entgegenzubringen? Wie wäre es mit einer dezidierten Auseinandersetzung mit der Lage von Muslim_innen in Sachsen oder Deutschland über hier zitierte Quellen? Oder wie wäre es denn, sich für die gesellschaftliche Akzeptanz von Muslim_innen einzusetzen, eine Strategie, die höchstwahrscheinlich ziemlich erfolgreich ist gegen Radikalisierung? Ist alles ein bisschen anstrengender, als sich ein homogenisiertes Feindbild zu schaffen, stimmt, aber ist wahrscheinlich nachhaltiger.

Einige Aktive der Gruppe Prisma / iL-Leipzig.

[1] Erschienen in seiner Abhandlung De rationibus fidei contra Saracenos, Graecos et Armenos, nach Cardini, Franco (2000): Europa und der Islam. Geschichte eines Mißverständnisses. Übers. Rita Seuß, München: Beck, S. 121.
[2] Mit „Europa“ ist weniger eine geographische Einheit als vielmehr eine Idee von Vorherrschaft, die sich vor allem aus den Kolonialnationen speist, gemeint.
[3] https://www.zeit.de/2016/05/kolonialismus-grossbritannien-indien-aegypten-frauen-schleier-1900
[4] Vgl. auch Hakenberg, Marie; Klemm, Verena (2016) [Hrsg.]: Muslime in Sachsen. Dresden: Sächsische Landeszentrale für politische Bildung.
[5] Vgl. hierzu Bauer, Thomas (2011): Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams. Berlin: Verlag der Weltreligionen.
[6] Vgl. exemplarisch zu Salafismus als eine islamistische Strömung, http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/36345/salafiya-bewegung

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#Hasi Bleibt! http://prisma.blogsport.de/2018/11/19/hasi-bleibt/ http://prisma.blogsport.de/2018/11/19/hasi-bleibt/#comments Mon, 19 Nov 2018 11:21:04 +0000 Administrator Allgemein http://prisma.blogsport.de/2018/11/19/hasi-bleibt/

+++ Für den Nachmittag des 21.11.2018 wird die Räumung der Hasi angekündigt +++
Die Aktiven der Hasi wollen eine Räumung nicht ohne weiteres hinnehmen. Rund um den anvisierten Räumungstermin am Mittwoch soll es deshalb Demonstrationen und kreativen Widerstand geben!

Am 5. Januar 2016 wurde das bis dahin leerstehende Haus in der Hafenstraße 7 besetzt, um ein nichtkommerzielles, selbstorganisiertes, soziokulturelles Zentrum entstehen zu lassen. Ziel ist es in der halleschen Innenstadt einen Raum schaffen, der in Eigenregie von Engagierten, Neugierigen und Nachbarn gemeinsam gestaltet wird. Wir haben in den letzten anderthalb Jahren enorm viel Zeit und Energie in das Projekt investiert, das Gelände entmüllt, das Haus nutzbar gemacht, einen Garten angelegt und Werkstätten eingerichtet. Alles mit viel Hilfe und wenig Geld. Die ersten Schritte sind getan: Die Hasi bietet ein Lesecafé, Bandräume, Nachbarschaftsgarten, Seminarraum, Selbsthilfewerkstatt, Umsonstladen, Sport wie Yoga, Capoeira und Improvisationstanz, Raum für Vorträge, Politik und Subkultur.

Trotz geduldiger und langwieriger Verhandlungen konnten sich auf keine Nutzungsbedingugnen geeinigt werden. Nun haben Stadt Halle und die Eigentümer, die HWG, sich anscheinend auf eine Räumung festgelegt. Doch jede Räumung hat bekanntlich auch ihren Preis. Also auf nach Halle und das wunderbare Projekt der Hasi unterstützen.

Zugtreffpunkt ist am Mittwoch kurz nach 12 am Gleis 2. Von dort fahren wir dann gemeinsam mit der SBahn um 12:23 zur Unterstützungs-Kundgebung in Halle.

Aktuelles findet ihr hier oder bei Hasi.

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Demonstration gegen die feierliche Eröffnung der Waffenverbotszone http://prisma.blogsport.de/2018/11/02/demonstration-gegen-die-feierliche-eroeffnung-der-waffenverbotszone/ http://prisma.blogsport.de/2018/11/02/demonstration-gegen-die-feierliche-eroeffnung-der-waffenverbotszone/#comments Thu, 01 Nov 2018 23:08:19 +0000 Administrator Allgemein Antirassismus Positionen Presse Recht auf Stadt Soziale Kämpfe http://prisma.blogsport.de/2018/11/02/demonstration-gegen-die-feierliche-eroeffnung-der-waffenverbotszone/
05.11.2018 | 14:00 | im Rabet vor Aldi
Für Solidarität und soziale Lösungen, statt Verdrängung, Überwachung und Rassismus.

Die Eisenbahnstraße wird ab dem 5.11.18 eine Waffenverbotszone sein. Das bedeutet, dass jede Person, die absichtlich oder unwissentlich eine Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand mit in dieses Gebiet nimmt, bis zu 10.000€ Strafe zahlen muss. Natürlich nur, wenn sie dabei erwischt wird und solange keine bestimmten Ausnahmen greifen. So werden dauerhaft verdachtsunabhängige Kontrollen ermöglicht und wir werden mit wesentlich mehr Polizeipräsenz konfrontiert sein. Dass dies nur ein Instrument ist, um einen selbst produzierten „Kriminalitätsschwerpunkt“ zu befrieden und unter dem Label der „Sicherheit“ eine autoritäre Entwicklung voranzutreiben, ist für uns klar.

Innenminister Wöller (CDU) und Oberbürgermeister Jung (SPD) machen sich hier zum Erfüllungsgehilfen für polizeiliche Law-and-Order Politik. Dass sie die Einrichtung der Waffenverbotszone mit einer „feierlichen Enthüllung der Verbotstafeln“ am 05.11. begehen wollen, macht es umso grotesker. Denn in den betroffenen Wohngebieten hat niemand um diese Zone, geschweige denn um mehr Polizei gebeten. Wir werden diese Provokation daher nicht kommentarlos hinnehmen. Mit kreativen Performances und inhaltlicher Kritik in Form von Redebeiträgen und einem offenen Mikrophon zeigen wir die Ablehnung verdrängender, diskriminierender und repressiver Maßnahmen.

Wir sind der Überzeugung, dass eine Strategie, die auf der Personalisierung und Verräumlichung gesellschaftlicher Probleme basiert, nichts verbessern wird. Bestimmte Menschen und Orte werden kriminalisiert und bestraft, das Gebiet um die Eisenbahnstr. einfach pauschal als gefährlich deklariert. Dies führt jedoch nur zu permanenter Überwachung, einer Verschiebung aus dem Sichtbaren und dem Ausschluss von Menschen aus der Gesellschaft. Wir alle wollen hier leben und daher zusammen soziale Lösungsansätze für bestehende Probleme erarbeiten.

Dazu verbinden wir Kämpfe miteinander, die die sozialen Probleme unseres Viertels wirklich angehen:

– Widerstand gegen den Ausbau eines „Sicherheitsapparates“ durch Polizeipräsenz, Kontrollen, Kameras, racial profiling und weitere technische Aufrüstung und Ausweitung der Befugnisse durch das neue Polizeigesetz

– der Kampf gegen Ideologien, die die Freiheit und Gleichheit aller Menschen in Frage stellen, sowie jede Art von Diskriminierung. Sei es Rassismus, Sexismus (der die Quelle vieler gewalttätiger Übergriffe darstellt), Klassismus, Transfeindlichkeit, Antisemitismus und Antiromaismus.

– die Forderung, sozialstaatlichen Leistungen für alle (auch für Illegalisierte) in Form von kostenloser Gesundheitsversorgung, Wohnungslosenunterkünften, Drogenkonsumräumen und das Einstellen der Hartz IV-Sanktionen

– der Einsatz gegen Entmietung und einer Aufwertung des Viertels, die dazu führt, dass prekarisierte Menschen immer weiter an die Stadtränder verdrängt und vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden

– das Engagement in sozialen Projekten für eine solidarische Nachbarschaft, wie Bildungsarbeit und Unterstützung von Geflüchteten

Einen Anstoß dazu wollen wir auf der Kundgebung geben und laden alle dazu sein, sich an kreativen Aktionen, Vernetzung und inhaltlicher Weiterarbeit zu beteiligen. Los geht’s um 14.00 vorm Aldi im Rabet.

Für alle, die Lust haben, etwas Kreatives für die Kundgebung mit vorzubereiten: Kommt am 2.11.18 um 17.00 ins Ostpassage-Theater zu “Get ready for Dangerzone”
Als kleine Erinnerung: um 19.30 ist das offene Treffen von CopWatch LE dann gleich um die Ecke in der Kohlgartenstraße 51.

Am 5.11.18 schon die Waffenverbotszone abschießen! Unsere Waffe heißt Solidarität!

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08.November: Gedenkdemonstration „Erinnern – Für eine offene Gesellschaft“ http://prisma.blogsport.de/2018/11/01/08-november-gedenkdemonstration-erinnern-fuer-eine-offene-gesellschaft/ http://prisma.blogsport.de/2018/11/01/08-november-gedenkdemonstration-erinnern-fuer-eine-offene-gesellschaft/#comments Thu, 01 Nov 2018 22:47:16 +0000 Administrator Allgemein Antirassismus Positionen http://prisma.blogsport.de/2018/11/01/08-november-gedenkdemonstration-erinnern-fuer-eine-offene-gesellschaft/ Wir laden euch alle ein, an einer Gedenkdemonstration am Vorabend des 80. Jahrestag der Novemberpogrome teilzunehmen. Die Gedenkdemonstration soll nicht nur erinnern, sondern will ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Menschenverachtung heute setzen. Wir sehen uns dabei in einer Tradition mit einer unangemeldeten antifaschistischen Demonstration, die im Jahr 1988 zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome stattfand.
„Wenn wir das Gedenken an die Pogromnacht für uns annehmen, müssen wir unsere Verantwortung als Mensch wahrnehmen, die Verantwortung für die Unverletzlichkeit der Menschenwürde, die Verantwortung für die Freiheit der Menschen in unserem Land (…).“ (Aus dem Flugblatt vom 09.11.1988)
Es handelte sich dabei vermutlich um die erste größere, unabhängige antifaschistische Demonstration in der DDR. Daran möchten wir anknüpfen. Wir setzen uns für eine offene Gesellschaft und ein freundschaftliches miteinander ein, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religionen. Wir sehen uns in der Verantwortung Antisemitismus und Rassismus Einhalt zu gebieten. Wir sind viele. Lasst uns das deutlich zeigen! Erscheint zahlreich und teilt die Veranstaltung!

08.11.2018 | 18:30 | Ariowitsch-Haus e.V. – Zentrum Jüdischer Kultur (Hinrichsenstraße 14, 04105 Leipzig)

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KEW – Herbst 2018 http://prisma.blogsport.de/2018/10/20/kew-herbst-2018/ http://prisma.blogsport.de/2018/10/20/kew-herbst-2018/#comments Sat, 20 Oct 2018 15:54:31 +0000 Administrator Allgemein Vortrag http://prisma.blogsport.de/2018/10/20/kew-herbst-2018/

Die Kritischen Einführungswochen an der Uni und HTWK Leipzig laufen gerade. Hier findet ihr das gesamte Programm: https://kew-leipzig.de/programm/
Wir sind natürlich auch wieder mit dabei: beispielsweise mit einer Veranstaltung zur Faschismustheorie, zu Klimagerechtigkeit, einem gentrifizierungskritischen Stadtrundgang, einem Workshop zur kritischen Männlichkeit und einer Veranstaltung über die Spezifik Ostdeutschlands in der Politik.
Cya!

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„Was jetzt nötig ist, ist ein Moment der Ruhe.“ http://prisma.blogsport.de/2018/09/21/was-jetzt-noetig-ist-ist-ein-moment-der-ruhe/ http://prisma.blogsport.de/2018/09/21/was-jetzt-noetig-ist-ist-ein-moment-der-ruhe/#comments Fri, 21 Sep 2018 08:42:50 +0000 Administrator Allgemein Klima http://prisma.blogsport.de/2018/09/21/was-jetzt-noetig-ist-ist-ein-moment-der-ruhe/

Auch wir, als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung, sind betroffen über die Ereignisse vom Mittwoch im Hambacher Forst. In Gedanken sind wir bei den Angehörigen und unseren Freund*innen im Wald.

Gemeinsame Stellungnahme von der Bürgerinitiative Buirer für Buir, den Bündnissen Ende Gelände und Aktion Unterholz:

Wir sprechen der Familie und Freunden des Verstorbenen Journalisten unser tief empfundenes Beileid aus. Wir trauern um den Menschen. Der tragische Unfall hätte nicht passieren dürfen. Kein Mensch darf weiter zu schaden kommen.

Wir fordern deshalb die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auf die mit massivem Tempo durchgeführte gefährliche Räumung des Hambacher Forstes sofort zu beenden.

EN:
Statement by Ende Gelaende, Buirer fürBuir, and Aktion Unterholz To the family and friends of thedeceased journalist, we express our deepest sympathy and regret. Wemourn for the man who died. This tragic accident should never havebeen allowed to happen. No further human lives must be endangered.

We therefore call on the stategovernment of Northrhine-Westphalia to immediately cancel thedangerously high-pressure and rapidly conducted eviction of the treehouses in Hambach Forest.

Von den französischen Flughafen-Besetzer*innen der ZAD (zone à défendre) erreichte uns folgende Nachricht:

„We will be lighting the lighthouse of the ZAD in his honour. The lighthouse that stands where the control tower would have been, opposite the forest that would have become a runway if people had not put their lives and bodies on the line against the airport builders …“

DE:
„Wir werden zu seinen Ehren den Leuchtturm der ZAD entzünden. Der Leuchtturm steht dort, wo normalerweise der Kontrollturm gestanden hätte, gegenüber dem Wald, der eine Landebahn geworden wäre, wenn sich nicht Menschen mit ihren Körpern, ihren Leben den Bauarbeitern in den Weg gestellt hätten.“

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16.09. – Zuganreise aus Leipzig nach Köthen http://prisma.blogsport.de/2018/09/14/16-09-zuganreise-aus-leipzig-nach-koethen/ http://prisma.blogsport.de/2018/09/14/16-09-zuganreise-aus-leipzig-nach-koethen/#comments Fri, 14 Sep 2018 10:26:01 +0000 Administrator Allgemein Antirassismus http://prisma.blogsport.de/2018/09/14/16-09-zuganreise-aus-leipzig-nach-koethen/

Unsere Freund*innen von Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage organisieren in Köthen Protest gegen den für Sonntag angekündigten rechten Kartoffelauflauf. 🥔🥔🥔

📣📣📣Wir fahren von Leipzig über Halle nach Köthen!
🚉🚉 🚉 Die S-Bahn nach Halle fährt von Gleis 2, um 14.23 Uhr.
Wir treffen uns schon 14 Uhr auf dem Gleis.

Wenn nicht alle in die erste S-Bahn passen, werden wir uns auf mehrere Bahnen verteilen, so dass aber alle organisiert und nicht allein in Köthen ankommen.

Hier noch der gemeinsame Aufruf:
DER EXTREMEN RECHTEN ENTGEGEN TRETEN!
FÜR EINE OFFENE UND PLURALE GESELLSCHAFT.

Für den kommenden Sonntag, den 16. September 2018, rufen erneut rechtsextreme Gruppierungen zu Aufmärschen in Köthen (Anhalt) auf. In den letzten Tagen war dort wie auch in Chemnitz zu sehen, wie sich die extreme Rechte in der Bundesrepublik weiter gemeinsam aufstellt und ihre Angriffe koordiniert. Mit der AfD hat sie ihre Vertretung in den Parlamenten, auf der Straße marschiert die Partei gemeinsam mit Neonazis, Hooligans, verschwörungsideologisch geprägten Rechten und bürgerlichen Rassistinnen und Rassisten. Reden von einem angeblichen “Rassenkrieg”, davon dass Linke und Journalistinnen und Journalisten “brennen” werden, und die unzähligen Bezüge zum Nationalsozialismus – auch ganz offen mit der Parole “Nationaler Sozialismus jetzt!” – waren in Köthen zu hören. Dass sich an den Aufmärschen auch Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben, die sich selbst nicht der rechtsextremen Szene zugehörig fühlen, macht die Aufmärsche nicht weniger gefährlich, im Gegenteil. Dass Teile der bürgerlichen Gesellschaft vor Ort Hand in Hand mit Faschistinnen und Faschisten auf die Straße gehen, verleiht diesen Macht, Einfluss und Rückhalt für ihre Gewalt. Dabei ging es der extremen Rechten noch nie und auch in Köthen nicht um die Trauer über einen jung zu Tode gekommenen Menschen. Sie benutzt einen Todesfall, um Teile der Bevölkerung pauschal als angebliche Tätergruppe anzugreifen, gegen sie zu hetzen und damit ihre rassistischen Ziele zu verfolgen.

Für den Sonntag rufen nun Pegida (Dresden), die rechte “Kandel ist überall”-Gruppe, “Zukunft Heimat” (Cottbus), die extrem rechte Kampagnenplattform “Einprozent” und das rechte “Compact”-Magazin zusammen zu einem Aufmarsch in Köthen auf, vielfach geteilt und unterstützt durch die AfD. Daneben sind auch Thügida (Thüringen) und weitere neonazistische Gruppierungen und Hooligans zu erwarten. Wo bisher noch taktische Abgrenzungen innerhalb des Rechtsextremismus behauptet wurden, werden diese aufgegeben. In einer gesellschaftlichen und politischen Situation, in der die extreme Rechte erheblichen Einfluss auf das öffentliche Gespräch, die Berichterstattung und die Parlamente gewonnen hat, verstärkt sie, zunehmend vernetzt, ihren Kampf um Deutungshoheit und Macht in der Bundesrepublik und darüber hinaus.

Als Bündnisse und Gruppen gegen Rechts rufen wir dazu auf, die rechtsextreme Dynamik in Köthen ernst zu nehmen und Zivilcourage zu zeigen. Jede weitere Verharmlosung der Ereignisse eröffnet der extremen Rechten weitere Spielräume, jede weitere Relativierung verhindert zu verstehen, was sich hier gesellschaftlich und politisch entwickelt. Wir rufen dazu auf, gemeinsam zu streiten gegen die extreme Rechte, gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus! Wir rufen dazu auf, unmissverständlich, entschlossen und gewaltfrei der extremen Rechten entgegenzutreten, für eine offene, plurale Gesellschaft in der die Würde und die Rechte jeder und jedes Einzelnen zählen!

gemeinsam mit:
Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage
Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz
#blockMD Magdeburg
Bündnis Dessau Nazifrei
Bündnis “Querfurt für Weltoffenheit”

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http://prisma.blogsport.de/2018/09/14/16-09-zuganreise-aus-leipzig-nach-koethen/feed/
Offenes Treffen: Wir lassen Chemnitz nicht allein! http://prisma.blogsport.de/2018/09/11/offenes-treffen-wir-lassen-chemnitz-nicht-allein/ http://prisma.blogsport.de/2018/09/11/offenes-treffen-wir-lassen-chemnitz-nicht-allein/#comments Tue, 11 Sep 2018 13:09:17 +0000 Administrator Allgemein Antirassismus Vortrag http://prisma.blogsport.de/2018/09/11/offenes-treffen-wir-lassen-chemnitz-nicht-allein/ Und wieder einmal:

Liebe Leipziger*innen,

nach den schockierenden Ereignissen in Chemnitz in den letzten Wochen, aber auch aufgrund der schwer einzuschätzenden Lage in Köthen und dem besorgniseregenden Backlash in der bundesweiten Debatte der letzten Tage, halten wir es für wichtig als Antifschist_innen zusammenzukommen und gemeinsam über unsere Möglichkeiten in Austausch zu treten.

Am vergangenen Montag setzten bereits viele Tausende Menschen unter dem #wirsindmehr ein Zeichen für eine offene, tolerante und vor allem antirassistische Gesellschaft. Daran wollen wir anknüpfen und auch in Zukunft Chemnitz nicht alleine auf der Straße lassen.

Deshalb möchten wir euch gerne zu einem offenen Treffen einladen. Ziel soll es sein, zunächst in Kontakt zu treten und uns über die Ereignisse in Chemnitz auszutauschen. Hierzu wird es auch zwei kurze Inputs zur Einordnung geben um die Debatte in Schwung zu bringen. Darüber hinaus geht es uns vor allem darum als Leipziger_innen den Chemnitzer_innen in der kommenden Zeit zur Seite zu stehen und gemeinsam handlungsfähig zu werden.

Mittwoch 12. September | 19 Uhr | Werk 2 (Connewitzer Kreuz)

Wir freuen uns auf euch! #ChemnitzNazifrei

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#C0709 – Anreise zum Protest nach Chemnitz http://prisma.blogsport.de/2018/09/07/c0709-anreise-zum-protest-nach-chemnitz/ http://prisma.blogsport.de/2018/09/07/c0709-anreise-zum-protest-nach-chemnitz/#comments Fri, 07 Sep 2018 08:54:37 +0000 Administrator Allgemein Antirassismus Positionen Aktionsbericht http://prisma.blogsport.de/2018/09/07/c0709-anreise-zum-protest-nach-chemnitz/ Und wieder einmal:

Und schon wieder wollen die Rechten Netzwerke um Pro Chemnitz in der Stadt aufmarschieren. Sie werden nicht müde ihren Hass auf die Straße zu tragen und den tragischen Tod eines Menschen zu mißbrauchen.

In Chemnitz wird es wieder Protest geben und wir rufen euch auf, auch wenn es anstrengend ist, wieder mit uns zu fahren und euch dem Hass entgegenzustellen. Die Antifaschist*innen und Antirassist*innen in Chemnitz brauchen eure Unterstützung.

Also packt eure Demosachen – Regenjacke, Wasser, Essen – und kommt mit.

Wir treffen uns 16 Uhr am Gleis 23
und fahren mit dem Zug 16.20 Uhr nach Chemnitz

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Chemnitz am 27.08.2018 http://prisma.blogsport.de/2018/08/28/chemnitz-am-27-08-2018/ http://prisma.blogsport.de/2018/08/28/chemnitz-am-27-08-2018/#comments Tue, 28 Aug 2018 11:01:52 +0000 Administrator Allgemein Antirassismus Positionen Aktionsbericht Presse http://prisma.blogsport.de/2018/08/28/chemnitz-am-27-08-2018/ Und wieder einmal: In einer sächsischen Stadt, diesmal Chemnitz, zieht eine Mischung aus Hooligans, organisierten Neonazis und ganz normalen Chemnitzer*innen durch die Stadt. Zusätzlich angeheizt durch Berichterstattung, die als Grund für die Auseinandersetzung einen sexuellen Übergriff nennt, können die Rechten innerhalb eines Tages mindestens 5000 Personen mobilisieren. Und das in Trauer an einen Menschen, der sich ihnen vermutlich gestern Abend eher entgegengestellt hätte. Denn common sense unter den 5000 war neben der Akzeptanz von Hunderten eindeutig erkennbaren Nazis, vor allem auch eine durchweg rassistische Einstellung gegenüber Migrant*innen und als nicht Deutsch gelesenen Menschen in Chemnitz.

Jahrelanges Wegsehen und Kleinreden dieser rassistischen Entwicklungen durch Polizei, Behörden und vor allem der CDU Landesregierung hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Situation sich in dieser Aggression entlädt und bestärkt zudem die potentiellen Täter(!) von morgen. In den Polizeiberichten ist keine Rede von Jagd auf vermeintliche Migrant*innen und der Ministerpräsident Kretschmer schwadroniert vom Kampf gegen Extremismus jeder Art, der Verbreitung von Fake News und das es letzendlich „inakzepabel“ sei auf Menschenjagd zu gehen.. Obwohl seit Sonntagabend klar war, dass gewaltbereite Rechte aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen, will die Polizei Sachsen wieder nichts mitbekommen haben und entsendet 300 Polizist*innen. Es geht hier nicht um Überforderung: Bei jedem Spiel einer Regionalligamannschaft fährt die Polizei größer auf, wenn Antifaschist*innen in Wurzen demonstrieren, sendet man das SEK. In Chemnitz hingegen kann man Hitlergrüße zeigen, Migrant*innen mit dem Tod bedrohen und die Polizei steht untätig daneben. Auch nachdem aus dem Nazimob die Gegenkundgebung mit Böllern und Pyrotechnik angegriffen wird, löst die Polizei nicht auf. Die sächsische Regierung findet das Handeln ihrer Polizei „ruhig und besonnen“ und beweist damit auf ein Neues ihren völligen Realitätsverlust.

Jetzt gilt es zu schauen, was sich dort zusammenbraut. So eine schnelle Mobilisierung ist neu und dass Parolen wie „für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“ nicht widersprochen wird, zeigt die Enthemmung auch außerhalb des Neonazi/Hooligan-Milieu.

Danke an alle Antifaschist*innen, die gestern in Chemnitz auf der Straße waren. Viele mussten gestern die Erfahrung machen, dass die Polizei nicht fähig oder willens ist den Protest gegen die rassistischen Wut-Bürger und Hooligans zu schützen. Antifaschistischer Selbstschutz wird daher nach gestern noch mehr zur traurigen Notwendigkeit und Bedarf Organisierung.

Unsere Solidarität gilt denen, die täglich in Chemnitz mit rechter Gewalt konfrontiert sind und stetig dagegen kämpfen. Wichtig ist nun, den Mut nicht zu verlieren.

#c2608 #c2708 #chemnitz

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