Chemnitz am 27.08.2018

Und wieder einmal: In einer sächsischen Stadt, diesmal Chemnitz, zieht eine Mischung aus Hooligans, organisierten Neonazis und ganz normalen Chemnitzer*innen durch die Stadt. Zusätzlich angeheizt durch Berichterstattung, die als Grund für die Auseinandersetzung einen sexuellen Übergriff nennt, können die Rechten innerhalb eines Tages mindestens 5000 Personen mobilisieren. Und das in Trauer an einen Menschen, der sich ihnen vermutlich gestern Abend eher entgegengestellt hätte. Denn common sense unter den 5000 war neben der Akzeptanz von Hunderten eindeutig erkennbaren Nazis, vor allem auch eine durchweg rassistische Einstellung gegenüber Migrant*innen und als nicht Deutsch gelesenen Menschen in Chemnitz.

Jahrelanges Wegsehen und Kleinreden dieser rassistischen Entwicklungen durch Polizei, Behörden und vor allem der CDU Landesregierung hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Situation sich in dieser Aggression entlädt und bestärkt zudem die potentiellen Täter(!) von morgen. In den Polizeiberichten ist keine Rede von Jagd auf vermeintliche Migrant*innen und der Ministerpräsident Kretschmer schwadroniert vom Kampf gegen Extremismus jeder Art, der Verbreitung von Fake News und das es letzendlich „inakzepabel“ sei auf Menschenjagd zu gehen.. Obwohl seit Sonntagabend klar war, dass gewaltbereite Rechte aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen, will die Polizei Sachsen wieder nichts mitbekommen haben und entsendet 300 Polizist*innen. Es geht hier nicht um Überforderung: Bei jedem Spiel einer Regionalligamannschaft fährt die Polizei größer auf, wenn Antifaschist*innen in Wurzen demonstrieren, sendet man das SEK. In Chemnitz hingegen kann man Hitlergrüße zeigen, Migrant*innen mit dem Tod bedrohen und die Polizei steht untätig daneben. Auch nachdem aus dem Nazimob die Gegenkundgebung mit Böllern und Pyrotechnik angegriffen wird, löst die Polizei nicht auf. Die sächsische Regierung findet das Handeln ihrer Polizei „ruhig und besonnen“ und beweist damit auf ein Neues ihren völligen Realitätsverlust.

Jetzt gilt es zu schauen, was sich dort zusammenbraut. So eine schnelle Mobilisierung ist neu und dass Parolen wie „für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“ nicht widersprochen wird, zeigt die Enthemmung auch außerhalb des Neonazi/Hooligan-Milieu.

Danke an alle Antifaschist*innen, die gestern in Chemnitz auf der Straße waren. Viele mussten gestern die Erfahrung machen, dass die Polizei nicht fähig oder willens ist den Protest gegen die rassistischen Wut-Bürger und Hooligans zu schützen. Antifaschistischer Selbstschutz wird daher nach gestern noch mehr zur traurigen Notwendigkeit und Bedarf Organisierung.

Unsere Solidarität gilt denen, die täglich in Chemnitz mit rechter Gewalt konfrontiert sind und stetig dagegen kämpfen. Wichtig ist nun, den Mut nicht zu verlieren.

#c2608 #c2708 #chemnitz


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