Rauscher rausch ab – Unser Redebeitrag

Rauscher rausch ab – Unser Redebeitrag vom 16. November 2017

Heute haben viele Studierende gegen die rassistischen Äußerungen des rechten Juraprofessors Thomas Rauscher protestiert. Im Folgenden dokumentieren wir unseren Redebeitrag:

“Hallo liebe Kommilitonen und Kommilitoninnen,
Wir wissen, dass hier ist für viele von euch eine wichtige Vorlesung. Wir haben aber ein kurzes Anliegen, welches doch eine gewisse Dringlichkeit hat. Es verhält sich nämlich wie folgt: Professor Rauscher hat sich auf Twitter mal wieder etwas geleistet. Und nun ist es so, dass wir Twitter kurz mal wieder in die echte Welt holen möchten.
Professor Rauscher sagt auf Twitter Folgendes:

Einer der größten Manifestation der extremen Rechten in Europa, dort gingen 60.000 Menschen in Polen auf die Straße, die „Juden raus“ schrien, das kommentierte er wie folgt: “ein weißes Europa brüderlicher Nationen? Für mich ein wunderbares Ziel!
„Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben“

Wir finden, schon lange, aber spätestens jetzt ist ein Maß erreicht, das wir als Studierendenschaft nicht mehr hinnehmen sollten. Denn was tweetet Prof. Rauscher da? Europa ist nicht weiß und die deutsche Gesellschaft ist es auch nicht. Wir leben in einer Migrationsgesellschaft, das ist eine irreversible Realität. Wer sich dieser Realität verweigert und wie Professor Rauscher von einem weißen Europa träumt – träumt einen Traum, der sich nur noch mit Gewalt umsetzen lassen kann. Denn es ist die unverhohlene Ideologie von der weißen Vorherrschaft, die die Welt schon einmal ins Unheil gestürzt hat.
Zur Frage ob „wir“, den „Afrikanern“ etwas schulden, sei auf den Vernichtungsfeldzug des deutschen Generals Lothar von Trotha im heutigen Namibia, damals deutsche Kolonie, verwiesen, der 1904 über 100.000 Herero und Nama das Leben gekostet hat. Ein Völkermord, für den der deutsche Staat bis heute Reparationen schuldig geblieben ist.
Die rassistischen Tweets von Prof. Rauscher müssen als Anfeindung, Ausgrenzung und Beleidigung an alle Menschen und insbesondere Studierende der Universität Leipzig verstanden werden, die nicht in sein Weltbild passen. Dagegen sollten wir als Studierende aufstehen und laut und deutlich sagen, dass wir ein solche Ausgrenzung nicht zulassen! Der Rassismus von Prof. Rauscher darf unsere juristische Fakultät nicht repräsentieren. Zudem stellen die Tweets von Professor Rauscher die Neutralität, zur der er als verbeamteter Professor gegenüber seinen Studierenden ohne Ansehung von Hautfarbe, Nachname oder Herkunft verpflichtet ist, zumindest in Zweifel. Wie beeinträchtigt uns Student*innen das? Es ist nun so, dass er nicht mehr viel Klausuren korrigiert. Sein Schwerpunkt wird, welch Wunder, kaum besucht. Auch von den Profs will niemand mit ihm zusammenarbeiten, seine studentischen Hilfskräfte beschweren sich immer über seine cholerische art. Mündliche Prüfungen macht er noch. Das Traurige aber noch: Rauscher ist auch Erasmusbeauftragter und kümmert sich um die ausländischen Student*innen. Sicherlich ein geeigneter Kandidat. Er, der auf twitter schrieb, dass es keinen friedlichen Islam gibt. Was für eine Farce!

Jetzt könnte man sagen, dass das sein Privataccount ist, mit dem er nur seine Meinungsfreiheit ausübt. Das ist auch sein Trick, mit dem er sich jeder Diskussion entzieht. Sein Twitter Account hatte (bis er ihn gestern selbst abgeschaltet hat) unglaublich viele Follower. Damit betätigt er sich als öffentlicher Meinungsmacher. Eine Meinung für die er nun hier in der Uni den Gebührenden Widerspruch ernten sollte. Es ist ein bekannter und perfider Schachzug der rechten: man brüllt etwas antidemokratisches in den Raum, sachlich nicht haltbar. Und dann bekommt man Kritik, zurecht, von vielen Seiten. Und dann können die Rechten damit nicht umgehen und schreien Hilfe, Hilfe meine Meinung ist nicht hegemonial, also muss die Meinungsfreiheit hier nicht mehr gegeben sein. So ein Unsinn! Ja, die Meinungsfreiheit schützt das Äußern und Verbreiten der Meinung. Ein Recht auf ein zustimmendes Publikum und ein Recht darauf, unwidersprochen zu bleiben existiert nicht. Und wer glaubt, das Grundgesetz verpflichte uns, die Beschwörung einer weißen Vorherrschaft in Europa zu dulden oder hinzunehmen, fällt bei der historischen Auslegung des Grundgesetzes als Antwort auf den Nationalsozialismus glatt durch.

Wir fordern außerdem das Rektorat auf Disziplinarmaßnahmen gegen Professor Rauscher einzuleiten. Als Professor, Beamter und Erasmus-Beauftragter ist seine Meinungsfreiheit durch Loyalität zum staatlichen Dienstherren und Neutralität gegenüber den Studierenden begrenzt. Da seine Ansichten von dem Vorrang der Weißen in massiven Widerspruch zu Art. 3 III des Grundgesetzes entstehen, kann die Universität nicht länger untätig bleiben!
Wir bitten euch zeigt Zivilcourage, bildet Lerngruppen und hört auf die Vorlesung von Professor Rauscher zu besuchen. Entziehen wir ihm hier an der Uni die Bühne, in der Hoffnung, dass er mit seinem Lehrstuhl genauso verfährt wie mit seinem Twitter-Account. Der Vorschlag für die heutige Vorlesung ist – wir verwandeln sie in ein Fest der Meinungsfreiheit und diskutieren unsere Meinungen über die politischen Ansichten unseres Professors.


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