8. Mai – Danke!

8.Mai: Danke!
Am 8. Mai 2016 jährt sich zum 71. Mal der Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus. Am 8. Mai 1945 unterzeichneten Vertreter des faschistischen Deutschlands im französischen Reims und Berlin die bedingungslose Kapitulation.
Das Ende der nationalsozialistischen Barbarei bedeutete Befreiung für alle, die unter ihr gelitten und gegen sie gekämpft hatten . Wir danken den Alliierten für die Befreiung vom Nationalsozialismus! Wir wollen diesen Tag im Besonderen den progressiven Widerstandskämpfer_innen widmen, die ihr Leben riskierten und teils ließen, um diese Befreiung zu ermöglichen; von der Resistenza in Italien, der Résistance in Frankreich und dem Netzwerk »Comet« in Belgien bis zu den griechischen, jugoslawischen und tschechoslowakischen Partisan_innen. Viel zu oft bleibt der Blick auf Europa beschränkt und so wollen wir auch besonders an die viel zu oft vergessenen Kämpfe gegen faschistische Besatzer in Afrika, Asien und Ozeanien erinnern. Wir danken allen antifaschistischen Widerstandskämpfer_innen für ihren Beitrag zur Befreiung! Es ist uns dabei aber auch wichtig, niemanden zu heroisieren. Wir wollen keine Trennung in »kämpfende Helden« und »bloße Opfer«.
Stellvertretend für die Fülle an Widerstandsgruppen und Kämpfer_innen wollen wir zum einen der kommunistischen Schumann-Engert-Kresse-Gruppe aus Leipzig, sowie der rumänischen Kommunistin Olga Bancic danken. Im folgenden erwarten euch Kurzbiographien, um ihrem Widerstand ein Gesicht zu geben und dazu beizutragen, dass ihr Kampf niemals in Vergessenheit gerät.

Georg Schumann wurde am 28. November 1886 in Reudnitz geboren, trat 1905 in die SPD ein. Ab 1912 besuchte der die Parteischule in Berlin, wo er Rosa Luxemburg kennenlernte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er aufgrund seiner Tätigkeit für den Spartakusbund inhaftiert.
In der Weimarer Republik hatte Schumann verschiedene Positionen in der KPD inne, ein Jahr verbrachte er in Moskau.
Im Zuge des Reichstagsbrands wurde er im Sommer 1933 verhaftet und verbrachte die Jahre bis 1939 in Zuchthaus und KZ. Nach seiner Entlassung kehrte er nach Leipzig zurück. Dort begann er im Laufe des Zweiten Weltkriegs die Schumann-Engert-Kresse-Gruppe aufzubauen. Im Sommer 1944 wurde Schumann verhaftet, heftig gefoltert, schliesslich zum Tode verurteilt und im Januar 1945 in Dresden hingerichtet.
Schumanns Stillschweigen während der Folter rettete vielen anderen Mitgliedern der Gruppe das Leben.

Kurt Kresse, gelernter Buchdrucker und einige Jahre als Bergarbeiter beschäftigt, trat 1924 in die KPD ein. Er wurde Teil der westsächsischen Bezirksleitung und Vorsitzender des Leipziger Arbeitersportvereins „Fichte“. Im Zuge der Machtübertragung an die NSDAP wurde Kresse kurzzeitig im KZ Colditz inhaftiert. Wieder auf freiem Fuß organisierte er Solidaritätsaktionen für andere politische Häftlinge.
In den 1940er Jahren wurde Kresse Teil der Widerstandsgruppe um Georg Schumann. Er verbreitet in Leipziger Betrieben Flugblätter, die Hilfestellung zur Sabotage gaben und war an Hilfsaktionen für Zwangsarbeiter beteiligt.
Im Sommer 1944 wurde Kresse verhaftet, im November zum Tode verurteilt und im Januar des folgenden Jahres in Dresden hingerichtet.

Otto Engert wurde am 24. Juli 1895 in Brösdorf bei Altenburg als Otto Gentsch geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Zimmermann und schloss sich nach “der Walz” zunächst der SPD an. Im Zuge des 1. Weltkrieges wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und kämpfte als Soldat an der Front, nach der Niederlage Deutschland schloss er sich zunächst der USPD, aber schon 1920 der KPD an.
In den Jahren 1924 und 1927 wurde er als kommunistischer Politiker für den Kreis Altenburg in den Thüringischen Landtag gewählt.
Otto Engert galt als theorieversierter Kommunist und stand als solcher in innerparteilicher Opposition zum stalinistischen Kurs der KPD Parteiführung um Ernst Thälmann. Zunächst mit einem Jahr Festungshaft gestraft, folgte 1929 schließlich der Parteiausschluss. Engert schloss sich im folgenden der KPD Abspaltung KPD-O (“Kommunistische Partei Opposition”) an. Die Mitglieder der KPD-O lehnten die Sozialfaschismusthese (siehe: hxxps://de.wikipedia.org/wiki/Sozialfaschismusthese) der KPD Führung ab und plädierten stattdessen für eien Einheitsfront von SPD und KPD gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Sie grenzten sich außerdem von der Stalinhörigkeit der Deutschen Kommunist*innen ab und forderten eine innerparteiliche Demokratisierung.
Auch wenn Otto Engert in der thüringischen KPD-O Hochburg Neuhaus am Rennsteig von 1929 bis 1933 als Bürgermeister arbeitete, blieb die KPD-O eine Splitterpartei und wurde 1933 verboten.
Aufgrund einer realistischeren EInschätzung des Nationalsozialismus als beispielsweise die KPD, war die KPD-O auf die nun einsetztende Arbeit in der Illegalität vorbereit und viele Mitglieder waren bis zur Befreiung durch die Alliierten im Widerstand tätig.
Otto Engert betrieb nach 1933 gemeinsam mit seiner Frau einen Gemüseladen in Leipzig und war parallel weiterhin illegal für die KPD-O tätig. Von den Nationalsozialisten zu 8monatiger Haft und nachfolgender Inhaftierung im KZ Colditz und KZ Sachsenburg verurteilt, begründete 1943/44 die Widerstandsgruppe um Georg Schumann und Kurt Kresse mit.
Im Juli 1944 wurde Otto Engert verhaftet, von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt und am 11.Januar 1945 in Dresden erschossen.

In Leipzig erinnern die Engertstrasse im Stadtteil Lindenau und die Otto-Engert-Str. in Mölkau an den kommunistischen Widerstandskämpfer.

Olga Bancic wuchs in einer großen jüdischen Familie auf im heutigen Moldawien auf. Sie arbeitete schon mit zwölf Jahren in einer Matratzenfabrik. Weil sie an einem Streik teilnahm, wurde sie gemeinsam mit anderen trotz ihres Alters verhaftet und geschlagen. Später wurde sie Mitglied in der örtlichen Arbeiterorganisation, dann der Rumänischen Kommunistischen Partei und schließlich nach ihrer Emigration nach Frankreich (1938) Mitglied der Französischen Kommunistischen Partei. In Frankreich schmuggelte sie mit anderen linken Aktivist_innen, während des Spanischen Bürgerkriegs, Waffen für die Internationalen Brigaden nach Spanien. 1939 heiratete sie Alexandru Jar und gebar eine Tochter, die sie nach einer spanischen Freiheitskämpferin Dolores nannte. Bancic hatte sich jedoch nach der Besatzung Frankreichs der FTP-MOI angeschlossen, einer iImmigranten-Gruppierung der Résistance, und gab Dolores zur Sicherheit in die Obhut einer französischen Familie auf dem Land. In der FTP-MOI kämpfte sie in der Manouchian-Gruppe, die von Missak Manouchian, einem armenischen Poeten, geführt wurde. So nahm sie insgesammt an etwa hundert Sabotage-Aktionen gegen die Wehrmacht teil.

Am 6. November 1943 wurde Olga Bancic in Paris vom französischen Geheimdienst bei einem Treffen mit dem polnischen Juden und Widerstandskämpfer Marcel Rayman gemeinsam mit diesem verhaftet. Gleichzeitig, beziehungsweise innerhalb weniger Tage wurden auch Missak Manouchian und 21 weitere Mitglieder ihrer Gruppe verhaftet. Zwischen dem 17. und dem 21. Februar 1944 wurden Bancic und die anderen 22 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. Die 22 Männer wurden noch am letzten Prozesstag durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Da ein französisches Gesetz diese Strafe für Frauen verbot, wurde Bancic nicht hingerichtet, sondern später nach Stuttgart verbracht. Hier war sie weiteren Misshandlungen ausgeliefert und wurde nach ihrer Verurteilung am 10. Mai 1944, ihrem 32. Geburtstag, im Hof des Gefängnisses durch Enthaupten hingerichtet.

Ab Februar 1944 wurde ein Propaganda-Plakat verbreitet welches Manouchian-Gruppe, als Terroristen beziehungsweise Kriminelle darstellte und die französische Bürger davor abschrecken sollte, im Widerstand tätig zu werden. Das Plakat wurde als L’affiche rouge bekannt und verfehlte seinen Zweck vollkommen; es galt vielmehr als Inspiration für weiteren Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht.