Social Center for all besetzt und geduldet – Jetzt Druck machen!

Heute Nachmittag wurde in der alten Führerscheinbehörde (Platostr. / Prager Str.) ein Social Center in Leipzig besetzt. Binnen kurzer Zeit war die Polizei mit mehreren Hundertschaften sowie dem Polizeipräsidenten Merbitz vor Ort. Das aggressive Auftreten der Beamten, die in voller Montur mit Kameras und Tränengas ausgestattet waren, ließ eine gewaltvolle Räumung vermuten. Mit Ordnungsbürgermeister Rosenthal konnte eine Duldung bis Montag ausgehandelt werden. Das ist ein vorläufiger Erfolg gegen die Leipziger Linie, innerhalb von 24 Stunden zu räumen. Nichtsdestotrotz bleibt ein bitterer Beigeschmack. Denn heute hat sich ein weiteres Mal gezeigt, dass die Polizei alarmiert herbeieilt, wenn Linke ein leerstehendes Haus besetzen, während notorischer „Fachkräftemangel“ und systematische Überforderungen herrschen, wenn der rechte Mob in Heidenau oder Clausnitz tobt.

Wir wären nicht in Sachsen, wenn nicht NPD und andere Nazis angekündigt hätten, ihre Stadt gegen Linke zu verteidigen. Bisher war das nur heiße Luft, von der für 20:00 angekündigten Eilversammlung war bisher noch nichts zu sehen. Das zeigt zwar, dass Leipzig nicht „ihre Stadt“ ist, ist aber noch kein Grund zur Entwarnung. Die Nacht ist noch jung und das Social Center braucht eure antifaschistische Solidarität nach nach wie vor!

Heute ist es gelungen den sächsischen Verhältnissen einen vorläufigen Erfolg abzutrotzen, dennoch bleibt die Situation des Social Center for all prekär. Im Sommer konnten wir durch kontinuierliche Mobilisierung zur HTWK-Turnhalle in Connewitz gemeinsam mit den dort untergebrachten Geflüchteten verhindern, dass diese in das von rassistischen Krawallen geprägte Heidenau gebracht werden. Auch das war ein kleiner Erfolg gegen die sächsischen Verhältnisse. Die Leipziger Linke kann so etwas – lasst es uns wiederholen und dem Social Center beistehen. Heute, morgen und vor allem ab Montag, wenn die vorübergehende Duldung ausläuft. Lasst uns verhindern, dass dieser notwendige Ort der städtischen Privatisierungspolitik zum Opfer fällt! Sichern können wir das Center nur durch den Druck vieler Menschen.

Gegen den staatlichen Ausnahmezustand der Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten haben Linke in vielen Orten wie Lübeck, Göttingen oder Köln Häuser besetzt, die Raum für Solidarität und Selbstorganisierung bieten. Heute wurde in Leipzig, Mannheim und Berlin an diese Praxen angeknüpft. Es sind Beispiele die uns ein Vorbild sind, aus den antifaschistischen Abwehrkämpfen in eine soziale Offensive zu kommen. Ein soziales Zentrum für alle ist mehr als eine schöne Utopie – es ist ein Ort des Widerstandes. Wir haben nun die Chance, diesen zu gestalten. Dafür brauchen wir jetzt euch alle, um das Social Center zu beleben. Wenn ihr Veranstaltungen organisieren wollt, renovieren oder Möbel entbehren könnt, einen Ort zum Austausch sucht oder Teil einer Bewegung sein wollt, die Antirassismus und die soziale Frage verbindet – kommt ab jetzt ins Social Center. Wir können mehr sein, als heute Abend! Ein soziales Zentrum für alle kann nur mit allen gemeinsam gestaltet werden.