Veranstaltungsreihe: Spanien zwischen Austerität & Widerstand

Buchvorstellung mit Raul Zelik | 04.12 | 18:00 | Interim (Demmeringstr. 32) |
Veranstaltung mit Left Vision | 09.12 | 18:00 | Interim (Demmeringstr. 32) |
Wahlabend | 20.12 | 19:00 | Interim (Demmeringstr. 32) |

04.12 Krise und Aufbruch in Spanien: Mit Podemos zur demokratischen Revolution? Buchvorstellung mit Raul Zelik.

Die ökonomische und soziale Krise in Spanien geht mittlerweile ins 7. Jahr. Seit dem Platzen der Immobilienblase 2009 sind 25% der spanischen Bevölkerung arbeitslos, Hunderttausende haben ihre Wohnungen verloren, das Lohnniveau ist deutlich gesunken. Gleichzeitig haben sich die öffentlichen Schulden durch die von Brüssel angeordnete Bankenrettung trotz massiver Sozialkürzungen verdreifacht. Und die Staatsparteien PP und PSOE werden von immer neuen Korruptionsskandalen erschüttert. Die Niederlage Syrizas in Griechenland hat die Hoffnungen auf einen Politikwechsel in Spanien schwinden lassen. Die Linksparteien Podemos und Izquierda Unida sind zerstritten, die Massenproteste, die das Land 2011 bis 2013 in Atem hielten, weitgehend abgeflaut. Trotzdem steckt das politische System nach wie vor in einer tiefen Krise. Bei den Kommunalwahlen im Mai haben alternative Linksbündnisse in fast allen Großstädten die Rathäuser erobert. Die größte Herausforderung für das Establishment ist zur Zeit die katalanische Unabhängigkeitsbewegung, die in den letzten Jahren nicht nur Millionen auf die Straße gebracht, sondern auch einen Linksruck in der katalanischen Gesellschaft in Gang gesetzt hat. Der Ausgang der politischen Krise ist nach wie vor offen. Ein Auseinanderfallen Spaniens ist durchaus möglich. Raul Zeliks neues Buch „Krise und Aufbruch in Spanien. Mit Podemos zur demokratischen Revolution?“ erörtert, inwiefern nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern v.a. auch das Erbe des Franco-Diktatur die politischen Konflikte der Gegenwart prägen und ob ein demokratischer Bruch bevorsteht

09.12 Zwischen Austerität und Widerstand! Filmvorstellung und Gespräch mit Leftvision

Es bewegt sich etwas in Europa. In den vergangenen Jahren der wirtschaftlichen und sozialen Krisen haben wir hunderttausende Menschen auf den Straßen und Plätzen gesehen. Neue Linke Parteien wurden gegründet die innerhalb kürzester Zeit enorme Stärke erlangten und, wie in Griechenland, sogar Regierungen übernommen. Linke politische Kräfte befinden sich, insbesondere in den südlichen Staaten Europas, im Aufwind.

Dabei stellt sich für politische Aktivist*innen eine alte Frage neu: Wie schaffen wir gesellschaftliche Mehrheiten und welche Form der Organisierung und des politischen Kampfes wählen wir dafür? In Spanien und Griechenland wurden durchaus unterschiedliche Wege gewählt: Vom Generalstreik über die basisdemokratische Organisierung im Stadt-Viertel, bis hin zu Gründung neuer linker Parteien. Mit diesen Versuchen neuer Antworten auf alte Fragen kommen weitere Fragen auf: Bis zu welchem Grad haben traditionelle linke Agitation und Organisationsformen ausgedient? Wer sind die Bündnispartner um eine Gesellschaft progressiv zu verändern ? Und welche Strategien wählen wir mit unseren neuen Formen? Wie ist der Spagat zwischen Kommunalwahlen und EU-Regime, zwischen der Verhinderung einer Zwangsräumung und dem transnationalen Protest vor den Zentralen der Macht zu bewältigen? Welche Handlungsoptionen bleiben, wenn selbst die geringste progressive Reform, von der Troika ohne Rücksicht auf Verluste verhindert wird?

Während sich die Linke Südeuropas sozialer Verheerung und riesigen Herausforderungen gegenüber sieht, herrscht in Deutschland Friedhofsruhe. Im Land der Krisengewinnler hat die politische Linke in den vergangenen Jahren kaum Boden gut machen können. Umfragen zeigen breite Zustimmung der Bevölkerung zur „Zuchtmeister“-Politik der Regierung. Versuche, neoliberale Paradigmen anzugreifen oder Solidarität mit der deklassierten Gesellschaften Südeuropas zu erzeugen, finden immer noch viel zu wenig Resonanz. Diese Schwäche spiegelt sich auch medial wieder, wo neben der aggressiver Hetze der Meinungsmacher, wenig Raum für eine kritisch-solidarische Berichterstattung bleibt.

Um diese Lücke zumindest ein Stück weit zu schließen und einen kleinen Beitrag zur Verbreiterung der Debatte in Deutschland zu machen, haben wir genauer nachfragen. Das Videokollektiv Leftvision war auf Sommertour durch Südeuropa. In Spanienhaben wir mit den verschiedenen Akteur*Innen der jüngsten Kämpfe geredet und sie nach ihren Erfahrungen befragen. Ihre Erfolge, Wandlungen, Hoffnungen, aber auch ihre Grenzen und ihr Scheitern verdienen es in Deutschland breit rezipiert zu werden. Unsere Hoffnung ist, dass sich auch für eine marginale Linke wie die Deutsche einiges aus diesen Erfahrungen ziehen lässt. Wahrscheinlich müssen wir das sogar.

Denn eins ist offensichtlich: Was in Barcelona, Madrid und Berlin geschieht, ist stärker verknüpft und hat mehr Einfluss auf die eigenen Kämpfe, als je zuvor in der Geschichte. Zeit zuzuhören und voneinander zu
lernen.

20.12 Wahlabend im Interim

Die Auswirkungen der Finanzkrise und der krisenpolitische Kurs der etablierten Parteien begleitet durch Massenproteste linker Basisorganisationen hatten unter anderem zur Entstehung neuer politischer Aktuere geführt. Am 20. Dezember 2015 wird in Spanien ein neues Parlament gewählt. Die aus den Massenprotesten des 15M hervorgegangene Partei Podemos liegt in den Umfragen zwar lang nicht mehr vorne, aber das „Bipartidismo“ genannte Zwei-Parteien-System Spaniens aus rechtskonservativer PP und postsozialdemokratischer PSOE steht dennoch vor einer großen Erschütterung. Auch sonst wird der Wahlabend spannend: Setzt sich das Lager rechts oder links der Mitte durch? Wir die ebenfalls neue konservative Partei “Ciudadanos” möglicherweise stärkste Partei? Schafft Podemos den Überraschungserfolg? Oder hängt eine künftige Regierung möglicherweise von den Stimmen regionalistischer Parteien ab? Wir wollen den Wahlabend gemeinsam mit Aktivist*innen von “Podemos Leipzig” begehen. Am Anfang wird es eine kurze Begrüßung und ein paar Sätze über und von Podemos geben sowie eine kleine Vorstellung des spanischen Wahlsystems. Dazu gibt es Getränke und kleine Häppchen.