Pressemitteilung „Konvoi der Hoffnung“ 16.09.15

English Version below.

+++ Fluchthilfe-Konvoi brachte am 14.09. 300 Flüchtende von der ungarischen Grenze nach Wien.+++
+++ Konvoi der Hoffnung begleitet am 15.09 30 Flüchtende zu Fuß über die deutsch Grenze. HelferInnen kurzzeitig in Gewahrsam.+++
+++ Mehrere Autos des Konvois brachten am 15.09 Flüchtende von Österreich nach Sachsen. +++

Am 15.09.2015 begab sich der internationale „Konvoi der Hoffnung“ auf den Weg zurück nach Deutschland. Nachdem am Vortag etwa 50 Autos aus Leipzig, Berlin, Dresden, Prag und Wien in das ungarisch – österreichische Grenzgebiet um Nickelsdorf fuhren und etwa 300 Flüchtende in mehreren Fahrten nach Wien brachten, wurde heute die Aktion fortgesetzt. Bei Freilassingen entschloss man sich aufgrund massiver deutscher Grenzkontrollen die Grenze zu Fuß zu überqueren.In Bayern wurden sodann 30 Flüchtende von der Polizei registriert und die anderen AktivistInnen kurzzeitig in wegen des Tatverdachts auf „Schleusertätigkeit“ in Gewahrsam genommen. Dazu Liebig: „Wir lassen uns nicht einschüchern, unser ziviler Ungehorsam gegen die Abschottungspolitik ist angesichts der humanitären Katastrophe in den Transitländern legitim. Wir haben hunderten erschöpften Menschen geholfen das war keine Straftat, sondern einfach nur menschlich.“

Trotz der Abschottung der deutschen Grenzen brachten mehrere Autos des Konvois Flüchtende über die deutsche Grenze nach Sachen. Liebig betont: „Das ist ein Symbol: Die Mauern der Festung Europa sind überwindbar.“

Zeitgleich mit der verschärften Kriminalisierung von Flüchtenden und ihren HelferInnen in Ungarn und dem Bau eines tödlichen Zaun an der ungarisch-serbischen Grenze, schloss Deutschland seine Grenzen und führte Grenzkontrollen zu Österreich und Tschechien wieder ein. Das kommentiert Liebig mit den Worten: „Während vor ein paar Tagen noch von Willkommenskultur die Rede war, wurde die Abschottung der Grenzen bereits vorbereitet. Menschen, die verzweifelt sind, werden sich von diesen Abschreckungsmaßnahmen nicht aufhalten lassen. Wer jetzt die Grenzen schließt, verunmöglicht sichere Fluchtrouten und nimmt Elend und Tod an den Grenzen in Kauf.“

Der Konvoi der Hoffnung sieht sich in scharfem Widerspruch zur deutschen Asyl- und Migrationspolitik. Nachdem die Bundesregierung das Asylrecht erneut verschärft und nun die Grenzen geschlossen hat, brachte Bundesfinanzminister Schäuble ein Kürzungspaket von 500 Mio. Euro ins Spiel, um Ausgaben für Flüchtlinge zu finanzieren.
„Schäuble spielt mit seinem Vorschlag ein perfides Spiel von Teile und Herrsche. Er instrumentalisiert jetzt die Flüchtenden als Sündenböcke, um die Austeritätspolitik zu vertiefen. Damit bedient die Regierung jetzt wieder die Überforderungsszenarien, vor deren Hintergrund sich rechter Straßenterror wie in Heidenau ereignen konnte.“ so Liebig.

Im Gegensatz zur deutschen Abschottungpolitik stand in den letzten Wochen die Solidarität tausender Menschen, die Flüchtenden auf ihrem Weg und bei ihrer Ankunft geholfen haben. Liebig betont: „Die Entschlossenheit der Flüchtenden und die Solidarität vieler Menschen haben in der letzten Woche, das Dublin III System ins Wanken gebracht, das Flüchtende an die Ränder Europas drängen soll. „Der Fluchthilfe-Konvoi hat gezeigt, gemeinsam können wir Anfänge für ein solidarisches Europa gegen die kalte Politik der Grenzen schaffen.“

Fotos zur freien Verwendung und unsere vergangenen Pressemitteilung finden sie auf http://prisma.blogsport.de/2015/09/15/pressemitteilung-konvoi-der-hoffnung-15-09-15/.
Pressekontakt: Jan Liebig, Telefonnummer: +49 1578 – 63 71 892
Weitere Fragen gerne per Mail an konvoi@riseup.net
Auf twitter kann der Konvoi unter #carsOfHopeLE verfolgt werden

Press release „Convoy of Hope“ 16th September 2015

+++Refugee Support Convoy brought 300 Refugees from hungarian border to Vienna on 14th September+++
+++Convoy of Hope accompanied 30 Refugees in crossing the border by foot on 15 September. Supporters short-time detained.+++
+++Several cars of the convoy travelled Refugees from Austria to Saxony on 15th September.+++

On 15th September 2015 the international „Convoy of hope“ took its way back to Germany. After on the day before roundabout 50 Cars from Leipzig, Berlin, Dresden, Prague and Vienna drove to the hungarian-german border to shuttle about 300 Refugees to Vienna, the action continued today. At Freilassingen it was decided to cross the border by foot, because of the controls. In Bavaria 30 Refugees got registered by german police and the other activists got detained for a short-time accused of „smuggling people across borders“. Liebig: „We‘re not intimidated by that, our civil disobedience against Fortress Europe is legitimate facing the humanitarian catastrophe in the countries of transit. We helped hundreds of exhausted People and that was not a crime, it was just human.“ Despite the closing of the german borders, many cars brought Refugees over the border to Saxony. Liebig states: „This is a symbol: The walls of Fortress Europe are conquerable.“
At the same time the criminalisation of Refugees and Supporters increased in Hungary, the construction of a deadly fence at the hungarian-serbian border, Germany closed its borders und reintroduced border controls to Austria and Czech Republic. Liebig comments: „A few days ago, everybody spoke about the culture of welcoming Refugees. At the same time, the closing of the borders was prepared. People, who are desperate, will not be stopped by these disincentive measures. Who closes the borders now, makes safe escape routes impossible and accepts misery and dead at the borders.“
The „Convoy of Hope“ understands itself in opposition to the german asylum- and migrationpolitics. After german government increased the law of asylum and closed the border, german minister of finance Wolfgang Schäuble demanded cuts in the public budget to the amount of 500 Mio. Euro, to finance the costs for Refugees. „By this proposal Schäuble plays a perfidious game of share and reign. He uses the Refugees as scapegoats, to deepen the politics of austerity. Therefore the government operates with scenarios of overextension, which are the ground on which the racist terror on the streets for example in Heidenau was able to grow.“ says Liebig.
In contrast to the german politics of bringing up walls, stood the solidarity of thousands of people, that helped Refugees on their way and their arrival. Liebig emphasizes: „The Refugees determination and the solidarity of many people destabilized the system of Dublin III, which is aimed to push Refugees to the european periphery. The Convoy of hope showed, that together we‘re able to build up a Europe of solidarity against the cold politics of borders.“

Spokesperson: Jan Liebig, phone number: +49 1578 – 63 71 892
For questions write a message to konvoi@riseup.net