Die frühen Jahre der BRD und DDR: Stunde Null oder Re-Nazifizierung?

Vortrag | 19. Mai | 19:00 | A&V Lützener Straße 30

ns-ddr-brdEine (unvollständige) Skizze des Umgangs mit dem Nationalsozialismus in der frühen BRD und DDR

Nach der Niederschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands durch die alliierten Streitkräfte im Mai 1945 begann die „Zweite Geschichte des Nationalsozialismus“, nämlich dessen juristische, administrative, finanzielle, historische und kulturelle „Aufarbeitung“. Unmittelbar nach Kriegsende setzten die Alliierten die bereits während des Krieges beschlossene Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft und die juristische Verfolgung von NS-Täterinnen und Tätern in Gang und banden beide deutschen Nachkriegsstaaten in diese Prozesse ein.
Beide deutschen Nachkriegsstaaten propagierten einen raschen „Wiederaufbau“, man sprach von der „Stunde Null“ oder einem vermeintlich „neuem Deutschland“. Beide deutschen Nachkriegsstaaten betrieben eine (unterschiedlich umfassende) (Re-)Integration der Täterinnen und Täter im nationalen Interesse, während ihnen viele Opfer unterschiedlicher NS-Verfolgungspolitiken oft nicht einmal als solche galten.
Jahrzehntelang unterblieb in Ost wie West eine breite und umfassende gesellschaftliche, politische und persönliche Auseinandersetzung mit der Shoah und dem Kernelement der NS-Ideologie, dem Antisemitismus. Der Vortrag skizziert v.a. den juristischen Umgang mit den NS-Verbrechen in den „Gründerjahren“ der DDR/BRD. Er geht der Frage nach, warum der Shoah-Überlebende Ralph Giordano im Bezug auf den bundesdeutschen Umgang mit den NS-Verbrechen von einer „zweiten Schuld“ sprach und warum sich diese Einschätzung (mit Einschränkungen) auch auf die DDR übertragen ließe.

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