Legida aus feministischer Perspektive

Redebeitrag unserer Queerfeminismus AG vom 21.01.05:
support your local feminist logo Wir befinden uns in einem rechts-konservativen Roll-Back der Gesellschaft. Dies nicht erst seit Pegida so. Seid Jahren grassieren rassistische, chauvinistische und Anti-feministische Ressentiments an Stammtischen und in den Kommentarspalten. Zunächst wurden diese Ressentiments belächelt und Studien zu Rassismus, Antisemitismus und Antimuslimischen Rassismus kaum ernst genommen. Nun kommen diese Menschen aus ihrer Anonymität der Stammtische und Kommentarspalten hervorgekrochen und zeigen uns und der Welt, wie gesellschaftsfähig ihre Positionen geworden sind.

Es wurde in den vergangenen Wochen bereits viel über die rassistische und chauvinistische Hetze von Pegida/Legida gesprochen. Als AG Queer Feminismus wollen wir uns nochmal dem Antifeminismus von Pegida/Legida zuwenden. Denn in den Positionspapieren von PEGIDA und LEGIDA, in Redebeiträgen und auf Schildern wird klar, welches Weltbild von Geschlechter- und Rollenverteilung sich hier verbirgt.

Legida hat auf seiner Website ein Positionspapier veröffentlicht und erwähnt darin das Thema Gleichstellung explizit.Sie fordern eine Überarbeitung des Gleichstellungsgesetzes und konkretisieren in ihren Erläuterungen, – wir zitieren – dass sich die Gleichstellung der Frauen in der deutschen Gesellschaft bereits so weit verwirklicht habe, dass es keiner Gesetzgebung mehr bedürfe. Darüber hinaus hätte es sich als unsinnig erwiesen, bestimmte Berufe wie Hebamme, Bergmann und Schmied für alle Geschlechter zu öffnen, die geschlechterspezifische Sprache sei über Jahrhunderte gewachsen, behinderte Kinder sollen nicht an allgemeine Schulen und muslimische Frauen müssten vor Kopftüchern beschützt werden.

Das klingt ziemlich wirr – wir haben zitiert! – aber wir können sehr gut erahnen, welche Spinnereien noch zu Tage kommen würden, wenn sich die Rassist_innen tiefer mit diesem Thema beschäftigen würden.

Hier brauchen wir nur zu anderen Gruppierungen schauen, deren Nähe zu PEGIDA/LEGIDA offensichtlich ist.

Am 20. Januar hat Jürgen Elsässer auf der LEGIDA-Kundgebung geredet. Jürgen Elsässer ist Chefredakteur des Leipziger Magazins ‚Compact’. Er ist regelmäßig Redner bei den Montagsdemonstrationen und veranstaltete 2013 eine große Konferenz mit dem Titel „Für die Zukunft der Familie – Schaffen sich Europas Völker ab?“ Eingeladen waren Islamfeinde wie Sarrazin, Männerechtler_innen, prominente Homo-Hasser_innen aus Frankreich und Russland und weitere Konsorten.
Im Zentrum dieser Konferenz stand die Kernfamilie als Reproduktionsstätte des vermeintlichen Volkes.

Eine Rednerin dieser Compact-Konferenz schlägt weiterhin den gleichen Ton an: Frauke Petry, Landesvorsitzende der AfD Sachsen. Die AFD übt sich bekanntlich ja maximal in strategischer Abgrenzung zu PEGIDA/LEGIDA.

Vor der Europawahl im letzten Jahr positionierte Frauke Petry die AfD Sachsen als Familienpartei. Sie selbst sagte: Familienpolitik ist Bevölkerungspolitik. Das ist ein Statement, das die Ausrichtung der AfD in aller Gänze deutlich macht: Nicht nur geht es ihnen um die Bevorteiligung von Mittelschichtsfamilien und damit der Verstärkung sozialer Ungleichheit. Die Deutschen sollen endlich wieder viele Kinder bekommen, – Migrant_innen und People of Colour nicht. Damit zeigt sich die völkische Ausrichtung der AfD, die die ‚deutsche’ Familie als Grundeinheit eines rassistischen und ausschließenden Staates ansieht.

Weitere Schnittmengen – sowohl personell als auch inhaltlich – sehen wir zu fundamentalistischen Christ_innen und den sogenannten „besorgten Eltern“. Die Fundis sind vor allem als Abtreibungsgegner_innen durch ihre jährlichen ‚Märsche für das Leben’ in Berlin und im sächsischen Annaberg Buchholz bekannt. Die Fundis, genauso wie die AfD und PEGIDA sehen Frauen nur als Reproduktionsmaschinen an, denen das Recht, über ihren eigenen Körper zu verfügen, abgesprochen wird. Dies ist gepaart mit einer Ablehnung jeglicher Lebensform, die sich nicht innerhalb der heterosexuellen Kernfamilie verortet.

Dagegen setzen wir, dass in Deutschland alle Menschen, egal wo sie aufgewachsen sind, welche Hautfarbe sie haben und wen und wie sie lieben, die Berechtigung haben, sich als Familie zu verstehen. Wir stellen uns gegen Homo- und Transfeindlichkeit und gegen Heteronormativität, die uns zur Annahme einer angeblich natürlichen Zweigeschlechterordnung zwingt und die bürgerliche Kleinfamilie als einzig normale Lebensform ansieht.

In vielen Familien sind es vor allem Frauen, – teilweise alleinerziehend, die verschiedene Belastungen jonglieren müssen und dabei nicht selten an ihre Grenzen gelangen, Burnout haben und gleichzeitig am finanziellen Existenzminimum kratzen. Wir sagen: Hausarbeit ist nicht Frauenarbeit! Lebensmodelle fernab von der Fixierung auf Lohnarbeit müssen Arbeitsformen neu aufteilen und geschlechtergerecht gestalten.

Weil aber gerade in den letzten Jahrzehnten die Frauenerwerbstätigkeit so stark zugenommen hat, wurden viele Tätigkeiten vermarklicht: Kinderbetreuung, Altenpflege, Reinigung – diese Arbeit wird oft gering geschätzt, ist mit hohen gesundheitlichen und psychischen Belastungen verbunden und wird schlecht entlohnt.

Deshalb unterstützen wir Erzieherinnen und Erzieher, die im Sozial- und Erziehungsdienst arbeiten, in ihrem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Damit in Kitas und Horten für die Erzieher_innen und Kinder lebenswertere Bedingungen sind.

Der diffamierende Tenor der Antifeministen, die in Internetforen darüber heulen, wie benachteiligt Männer doch heute seien, macht uns wütend. Wobei wir damit natürlich nicht sagen wollen, dass sich Heteronormativität nicht auch auf männlich sozialisierte Menschen auswirkt. So ist Mackergehabe und männlich-dominantes Auftreten auch unangenehm für Männer, die keinen Bock haben, diesen Männlichkeitsnormen zu entsprechen.
Wütend macht uns dennoch dieser offene Antifeminismus, weil er verleugnet, dass Frauen strukturell deprivilegiert sind:
Wer wird schlechter bezahlt? Wer ist betroffen von sexueller Ausbeutung? Wer sieht sich tagtäglich mit sexistischer Werbung konfrontiert?
Nein, wir sehen nicht alle Frauen als Kollektivsubjekt an. Wir sind alle verschieden, haben mit verschiedenen anderen Unterdrückungsmechanismen zu kämpfen und befinden uns auch in privilegierten Positionen.

Weiterhin sind es aber überwiegend Frauen*, Trans* und Inter*menschen die unter heteronormativen Gesellschaftsstrukturen leiden. Nein, wir sind nicht die Opfer, wir können uns wehren und für eine befreite Gesellschaft auf die Straße gehen, in der jede und jeder lieben und leben kann, wie sie_er will:

In unserem Kampf gegen sexistische Gesellschaftsstrukturen und den Aufwind der rechten Antifeministen erklären wir uns anderen Kämpfen solidarisch.
Prisma/iL Leipzig und die interventionistische Linke erklären sich seit letztem Jahr mit den Kurd_innen in Rojava (Westkurdistan) solidarisch. Wir unterstützen den kurdischen Selbstverteidigungskampf gegen den IS und die kolonialen Strukturen, die den Vormarsch des IS zulassen.
In Rojava haben Frauen neben einer eigenen kurdischen Frauenpartei auch lokale Frauenräte und Frauenselbstverteidigungseinheiten. Bürgermeister_innenposten werden paritätisch besetzt und in allen politischen Strukturen der revolutionären Kräfte gibt es Geschlechterquoten – nein, nicht Frauenquoten – von 40%. Die kurdischen Frauen machen immer wieder deutlich, dass kapitalistische Strukturen eng mit dem heutigen Geschlechterverhältnis verwoben sind. Wenn wir für eine befreite Gesellschaft kämpfen, dann immer gleichzeitig anti-kapitalistisch und feministisch!

Anlässlich des Frauen*kampftags am 8. März wird es seit langer Zeit das Erste mal wieder in Leipzig Aktionen geben – wir werden mit einer großen Demo durch die Straßen ziehen. Im Vorhinein wird es Workshops und Vorträge geben. Achtet auf Ankündigungen! Denn uns geht es nicht nur darum zu verhindern, dass sich rassistische und antifeministische Menschen die Straße nehmen können, wir gehen auch für unsere Anliegen auf die Straße – kommt am 8.März mit uns mit!
Durch die antifeministischen reaktionären Posititonen, die Legida auf die Straße trägt, halten wir es umso wichtiger in Leipzig in allen Bereichen für queerfeministische Positionen zu kämpfen.

AUF GEHTS! FÜR EINEN QUEERFEMINISTISCHEN AUFBRUCH!