“Ich bin immer noch militant”

immer-noch-militant
Klaus Rózsa und Wolfgang Seibert im Gespräch über ihr jüdisches und linkes Selbstverständnis

Donnerstag, 4. Dezember, 19 Uhr, „Institut für Zukunft“

Das Aufflammen des Konfliktes zwischen Israel und der Hamas im Juli 2014 hat weltweit für Diskussionen gesorgt, so auch in Deutschland. Die Kritik am israelischen Vorgehen in Gaza vermischt sich nicht selten mit antisemitischen Ressentiments, für die die israelische Politik nur ein zeitgemäßer Aufhänger ist.

Vor dem Hintergrund dieser Situation wollen wir einen Beitrag zu einer Debatte liefern, die sich eindeutigen Polarisierungen entzieht und stattdessen Anregungen gibt, sich auf die Komplexität der Verhältnisse einzulassen. Aus zwei biographischen Perspektiven wird sowohl die Konfrontation mit unterschiedlichen Formen von Antisemitismus, als auch der Umgang mit selbigen beschrieben. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Betrachtung vergangener und aktueller Positionen linker Personen und Gruppen liegen, die ebenfalls immer wieder als Akteure im Diskurs erscheinen.

Klaus Rózsa, Jahrgang 1954, und Wolfgang Seibert, Jahrgang 1947, vereint eine aktivistische, linksradikale wie auch jüdische Biografie.

Der Fotograf Rózsa lebte lange Zeit in der Schweiz, war Teil der linken und antiimperialistischen Szene und wurde dort jahrelang von der Bundespolizei überwacht. In den 1990er Jahren wendet er sich, ausgelöst von einem reflektierenden Treffen mit alten Gefährt_innen, entschieden von der Unterstützung von nationalen Befreiungsbewegungen ab. Es kommt zu einer Revision von bis dahin unhinterfragten Selbstverständlichkeiten der Linken. Wie es Rósza ausdrückte: „Unsere Bilanz fiel verheerend aus.“ Heute lebt er in Budapest und Zürich.

Wolfgang Seibert ist der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Pinneberg und macht die Sendung „Shalom Libertad“ im Hamburger Freien Sender-Kombinat (FSK). Ende der 1960er Jahre wandte er sich, entsetzt über den Hass auf Israel, enttäuscht von der radikalen Linken ab. Sein antifaschistisches Engagement sowie positive Erlebnisse mit linken Gruppen brachten ihn zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder zurück zur Politik.

Wir sprechen mit Rózsa und Seibert über ihr jüdisches und ihr linkes Selbstverständnis, ihre Enttäuschungen, Resignation, neue Hoffnungen, über Antisemitismus und die Linke.