Heinz Schenk Debatte: Von der Kritik der Autonomen zum postautonomen Organisierungsansatz

In dem ersten Jahr unseres jungen Organisierungsprojektes haben wir immer wieder Texte aus der Heinz Schenk Debatte diskutiert, da uns viele Fragestellungen immer noch hochaktuell erschienen. Der merkwürdige Name Heinz-Schenk-Debatte rührt daher, dass zwei der beteiligten Autor_innen als Pseudonym den Namen eines abgehalfterten Fernsehmoderators und Schlagersängers nutzten. Die Debatte kann als eine ‚Gründungdebatte‘ der postautonomen Strömung gelten. Einige ihrer Wortführer*innen haben die Gruppe FelS – Für eine linke Strömung gegründet. Wir dokumentieren hier die Neuauflage eines Readers von 1992.

„Eines der zentralen Ziele der entstehenden, sehr heterogenen Gruppierung war und ist es für eine politische Organisation in der radikalen Linken zu arbeiten. Nur so ließe sich eine Neuzusammensetzung, eine inhaltliche und praktische Umorientierung, die Zurückgewinnung von linker Definitionsmacht gewährleisten. Das Entstehen neuer Organisationen ist zwar keineswegs das einzige Kriterium notwendiger Neuorientierung, – den Heilsgedanken, Organisationsstrukturen könnten die Linke von fixen Problemen befreien, teilen wir nicht –, aber wir sehen die Frage als einen wesentlichen Bestandteil.“ (Editorial, arranca Nr.0)

Die von Heinz Schenk und anderen formulierte Kritik an autonomen Politikformen stellt einen Bruch in der neueren Geschichte der radikalen Linken dar und ist Teil ihrer notwendigen Neukonstituierung. Viele der in der Debatte genannten Ansprüche sind uns heute immer noch wichtig – und sei es als bisher nicht oder nur ungenügend eingelöste. Einiges hat sich verändert in diesen zwanzig Jahren, anderes nicht. Es geht uns nicht darum, einen Blick auf die verstaubten Ahnen und die bucklige Verwandschaft der Gruppe FelS zu werfen, sondern das uns heute weiterhin relevant Erscheinende einer immer virulenten Organisationsdebatte zu betonen. Eine neue Generation von Aktivist_ innen kennt sie nicht mehr aus eigenem Erleben, aber aus vielen Nachfragen wissen wir, dass die Heinz-Schenk-Debatte nach wie vor eine wichtige Diskussionsgrundlage bietet: Viele der darin benannten Probleme stellen sich offenen und undogmatischen Gruppen heute immer noch ganz ähnlich. Immer noch schlagen wir uns mit unterschiedlichen Lebensumständen und Wissensständen herum, immer noch versuchen wir unsere Politik strategisch zu bestimmen und nicht einfach hilflos in die Wiederholung alter Politikformen zurückzufallen, sondern beständig an einer experimentellen Praxis zu arbeiten.

Eine radikale Linke, die es ernst meint mit ihrem oft hilflos vor sich her getragenem anstatt wirklich praktischem Anspruch die Gesellschaft zu verändern, muss sich fragen, wie sie wieder attraktiv für eine breite Anzahl an Menschen wird und sich aus der eigenen Marginalität befreit. Dabei hilft uns weder verklärtes Schwelgen im roten Fahnenmeer vergangener Zeiten, noch die Massenverachtung auf- und abgeklärter Theoriezirkel, noch das verbissene Trotz alledem der alten Militanten. Eine relevante Gesellschaftliche Linke muss der neoliberalen Vereinzelung etwas entgegensetzen können, solidarische Formen zur Bewältigung des Alltags entwickeln und in konkrete Verhältnisse intervenieren. Zweierlei also: Intervention und Invention. Oder auch „Klebstoff zwischen den Vereinzelten sein – Konsens schaffen – kommunistische Lebensformen aufbauen.“

Nicht die Antworten auf diese Herausforderungen lassen sich in dieser Broschüre finden, aber viele der richtigen Fragen. Viel Spaß beim lesen. Die gedruckte Version kann auch bei uns bestellt werden!

FelS – Für eine linke Strömung